"Rubber Soul" sorgte für Beatles-Erwachen

Von Manfred Görgens

 

Hat noch jemand parat, welche musikalische Offenbarung das war? Sgt. Pepper's Band der einsamen Herzen erschien 1967 als ein besonders frühes Konzeptalbum der Popmusik.        

Während die Beatles-Fans das Cover mit den vielen Menschen nach bekannten Köpfen absuchten, hörten sie lächelnd "When I'm Sixty-Four", als werde ein solches Alter niemals Realität. Zwei Beatles sind mittlerweile tot, die beiden anderen ein Stück über 64 Jahre alt. Zuhörer von einst versammelten sich am Mittwoch in der Katt, um bei den alten Songs die Frühlingsgefühle des Monats Mai anzuzapfen. Dank der Wermelskirchener Cover-Band "Rubber Soul" erlebten sie dabei ein authentisches Beatles-Erwachen. Nur der Mai war schläfrig und enttäuschte mit Temperaturen wie am "Mantelsonntag", zusätzlich abgesenkt durch eine allzu heftig blasende Lüftung im kleinen Saal der Katt-Fabrik. Wer fror, war allerdings nicht wörtlich mit einem Tanz in den Mai befasst. Die Schuld geht auf das Konto der Musiker, war es doch zu schön, sich erst richtig einzuhören. "Blackbird" sang Thorsten Löhnert, das Lied über die Amsel auf Freiheitstrip vom berühmten "Weißen Album". Als Junior der Band kann er es nicht einmal im Kinderwagen gehört haben, brachte es aber perfekt. Mit "Yesterday" legte die Band noch eine Schmusenummer nach, um dann zu den härteren Kalibern der frühen Beatles-Jahre zu greifen. Zwar ist McCartneys Stimme kaum zu ersetzen, doch beherrschen "Rubber Soul" den polyphonen Vortrag verdammt original. Mit "Norwegian Woods" kam auch Bewegung in den Saal, zunächst noch beim gemeinsamen Schunkeln. Sgt. Pepper, der edle Klassiker, öffnete vollends die Tore. Wer über Joe Cockers geniale Version vergessen hat, wie sich die "Little Help from my Friends" ursprünglich anhörte, frischte Erinnerungen auf und wusste auch: Mit so komplizierten Pop-Songs waren die Beatles musikalische Vorreiter einer Generation.